In diesem Jahr ist die gestern in Berlin zuende gegangene IFA der Ort gewesen, an dem die Hersteller ihre neuesten eBook Reader vorstellen. Zu nennen sind dabei vor allem Sony mit dem eBook Reader PRS-T1, Kobo mit der eReader Touch Edition und Medion mit dem eBook Reader Life P6213. Während der Sony PRS-T1 sowie der Kobo eReader Touch Anfang Oktober zu Kampfpreisen von rund 150 Euro erhältlich sein werden, hat Medion lediglich von einem Verkaufsstart im vierten Quartal gesprochen. Aber auch bei dem Medion eBook Reader dürfen sich die Kunden wohl auf einen günstigen Preis freuen.
Ob da wohl ein Kindle-Killer in den Startlöchern steht? Immerhin wollen alle drei eBook Reader Hersteller ebenso wie Amazon mit dem Kindle mit einem vollständigen eBook-Ökosystem punkten. Das heißt ein drahtloser eBook Shop Zugang wird ebenso möglich sein wie die dort gekauften elektronischen Bücher via App auf anderen Endgeräten zu lesen. Und auch bei Steuertechnik und Drahtlosschnittstellen ähneln sich der Kobo eReader, der Sony PRS-T1 und der Medion eBook Reader Life P6213.
Der superleichte Kobo eReader
Der Kobo eReader könnte aus meiner Sicht dem Amazon Kindle schon den Platz als eBook Reader Topseller streitig machen. So stehen zum Verkaufsstart der deutschen Version am 1. Oktober auf Redcoon.de bereits rund 80.000 deutschsprachige eBooks im eBook Shop zur Verfügung. Die können entweder auf dem eBook Reader oder via App auf Smartphones, Tablets und Desktop-PCs gelesen werden. Das ist auch beim Kindle möglich. Aber Kindle eBook Shop stehen aktuell nur rund 42.000 deutschsprachige eBooks bereit.
„Buchfreunde finden heute bereits mehr als 80.000 deutsche eBooks bei Kobo, mehr als anderswo, und die Zahl steigt weiter“, betont dementsprechend Nina Kreutzfeldt, Director Content Management von Kobo EU im hauseigenen Blog. „Die riesige Auswahl an deutschen Titeln kommt bei den Besuchern auf der IFA sehr gut an.“ Und auch die technischen Fertigkeiten dürften gut ankommen. Ebenso wie der Kindle verfügt der Kobo eReader über ein reaktionsschnelles Pearl eInk-Display. Den amerikanischen Topseller übertrifft der Kobo eReader Touch, wie der Name schon sagt, aber mit seinem präzise arbeitenden Touchdisplay.
Auch beim Gewicht unterbietet Kobo Amazon: Mit 185g ist er einer der leichtesten 6 Zoll eBook Reader auf dem Markt. Dafür fehlt dem Kobo eReader eine UMTS-Schnittstelle, eBooks shoppen und im Internet surfen geht nur in der Nähe eines WLAN-Hotspots. Punkten kann Kobo dafür wiederum bei den Social Media Funktionen. So können die User beispielsweise auf Facebook oder Twitter ihre Meinung zu Büchern mitteilen und sich darüber austauschen. eBooks kann der Kobo eReader im ePub-, pdf- (beide mit DRM), Mobi- sowie im txt-, rtf und html-Format lesen. Er bietet zu diesem Zweck sieben verschiedene Schriftarten und 17 Zoomstufen . Ein Musikplayer fehlt hingegen, Bilder sowie Comics in den gängigen Formaten kann der Kobo dafür ebenfalls anzeigen.
Der Sony PRS mit WLAN: Technisch wieder top
Auch Sony hat einen neuen eBook Reader gezeigt, der ebenso Anfang Oktober für rund 150 Euro zu haben sein soll. Der größte Unterschied zum Vorgängermodell: Statt aus Alu besteht die Hülle aus Kunststoff. Dadurch hat sich Sony mit nur 168 Gramm aber zugleich den Titel des leichtesten eBook Reader gesichert. Ebenfalls neu auf dem deutschen Markt ist das im Sony PRS-T1 verbaute WLAN-Modul und der integrierte Browser, mit dem gegooglet und auf Wikipedia nachgeschaut werden darf. Ein solches hatte bislang lediglich die in den USA verfügbare Daily Edition an Bord. Auf ein Modell mit UMTS-Adapter müssen Sony-Kunden aber weiterhin verzichten.
Und noch eine Neuerung gibt’s vom Sony eBook Reader T1: Das Display ist multitouchfähig. Ansonsten bleibt Sony dem Vorgängermodell PRS 650 (hier geht’s zum Erfahrungsbericht inkl. Testvideo) treu und bietet weiterhin ein 6 Zoll großes Touch-Display mit Infrarotsteuerung. Das Schriftbild ist damit klar und kontrastreich, das Display spiegelt auch im Gegenlicht nicht. Zudem sind die bereits bekannten und auf dem eReader-Markt bisher unerreichten Zoomfunktionen an Bord, was vor allem die Lesbarkeit von pdf-Dateien einmalig macht. Und auch bei der Dateikompatibilität zeigt sich der neue Sony gewohnt stark.
Neue Kernkompetenz des Sony PRS-T1 ist natürlich der WLAN-Adapter und ein integrierter eBook Shop. Wer die Inhalte des neuen Sony eBook Shops liefert, wurde auf der Ifa noch nicht verraten. Das will Sony erst zur Frankfurter Buchmesse, die in rund fünf Wochen startet, bekannt geben. Spätestens dann dürfte Sony auch eBook Apps für Android, iOS und PC/Mac aufwarten. In den USA hat Sony für die Dailyedition analog zum Kindle bereits solche Anwendungen veröffentlicht. Insgesamt kann also von einer neue Sony-Strategie gesprochen werden. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde vor allem auf der Hardwareseite nachgelegt sowie der Preis um immerhin 80 Euro gesenkt.
Und wie günstig wird der eBook Reader Life P6213
Der unlängst von Lenovo übernommene Technik-Hersteller Medion ist bislang auf dem eBook Reader Markt lediglich als Zulieferer für Thalia (Oyo) in Erscheinung getreten. Im vierten Quartal kommt nun ein eigener eBook Reader auf den Markt. Und was kann der? Nicht zu wenig. So verfügt der eBook Reader Medion Life P6213 über einen Touchscreen sowie eine WLAN-Schnittstelle. Mit der soll drahtlos auf den Medion eBook Shop zugegriffen werden können. Ein deutscher Buchhändler mit größerem E-Book-Portfolio soll die Inhalte im kopiergeschütztem ePub-Format liefern, den Namen verriet Medion aber – ebenso wie Sony – noch nicht.
Auch bei der Dateikompatibilität punktet Medion. Neben ePub- und pdf-Dateien mit und ohne Kopierschutz können auch HTML-, Doc- und Mobipocket (ohne Kopierschutz) dargestellt werden. Eine Reflowfunktion, die PDF-Dokumente an die jeweilige Bildschirmgröße anpasst, fehlt jedoch. Zudem kann der Medion eBook Reader diegängigen Bildformate anzeigen und – im Gegensatz zum Kobo eReader – MP3-Dateien abspielen. Auf dem 6 Zoll großen Display können zudem per Stylus handschriftliche Notizen verfasst werden, über die eInk-Pearl-Technik der neusten Generation verfügt er aber nicht.
Ende November oder Anfang Dezember wird der Medion eBook Reader Life P6213 wohl auf den Markt kommen. Der Preis soll deutlich unter 200 Euro liegen. Im kommenden Jahr soll dann eine Version mit UMTS-Schnittstelle auf den Markt kommen. Dann konkurriert Medion direkt mit dem Kindle sowie mit Thalia, die gerade einen Oyo mit UMTS-Schnittstelle auf den Markt gebracht haben. Ob auch der gerade angekündigte Oyo II. mit einem UMTS-Modul ausgestattet sein wird, ist bislang noch nicht bekannt.
Generell wird sich erst im Weihnachtsgeschäft zeigen, ob eBook Hersteller, die in ihren Geräten lediglich ein WLAN-Modul verbaut haben, punkten können. Beim drahtlosen-überall-eBook-Shop-Zugang hat Amazon mit dem Kindle immer noch die Nase vorn. Bei der Technik (Gewicht, Touchdisplay, Zoom) hingegen liegt Sony mittlerweile vorn, beim eBook Content (Shop mit über 80.000 deutschen eBooks) Kobo. Es wird wohl mindestens zu einem eBook Reader Dreikampf im Weihnachtsgeschäft kommen.
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