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eReader: Interead schließt die Tore, Entourage eDGe in Deutschland erhältlich – und der Que?

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Dual Screen nicht ganz billig - eDGe kostet satte 599€ (Foto: Entourage)

Zuletzt meldete iRex Insolvenz an, Foxit ging ebenfalls pleite und nun steigt auch Interead aus dem eBook Reader Geschäft aus. Zwar habe sich der Interead Cooler gut verkauft – auf dem heimischen englischen Markt will das Unternehmen einen Marktanteil von 20% inne haben – aber die Stornierung einer Großbestellung eines bekannten amerikanischen Händlers habe das unerwartete Ende von Interead bedeutet, berichtete der englische Guardian bereits im Lauf der vergangenen Woche. Auch wenn die Luft auf dem Markt scheinbar immer dünner wird, traut sich Entourage was Neues zu – und bringt den Dual Screen eReader eDGe nach Deutschland.



Eigentlich hatte Interead zuletzt gute Nachrichten zu verbreiten: Noch in diesem Jahr sollten Nachfolge-eBook Reader zu dem 2009 veröffentlichten Cooler auf den Markt kommen, eines davon auch über ein WLAN-Modul verfügen. Bislang mangelte es dem Interead eLesegerät an technischen Zusatzfeatures. Stattdessen basierte der Cooler auf der Hardware des Netronix EB-600 eBook Reader – wie auch beinahe ein halbes Dutzend andere eBook Reader, die in Deutschland erhältlich sind.

Lediglich im Design – den Cooler gibt es in verschiedenen Farben – und im Preis unterscheiden sich die unter unterschiedlichem Namen angebotenen Netronix EB-600 eBook Reader. So kostet das Pocketbook 301 inkl. 5% Rabattgutschein von ebooreader-vergleich.de ca. 250 €, das Bookeen Cybook Gen 3 immerhin 280€. Der Cooler kostete bislang beim Direktkauf 225€ + Versand.

Das PocketBook 301* Komfort ist baugleich mit dem Cooler (Foto: my-ebook-reader.de)

Preissenkungen lassen Konkurrenz schwinden
Nach den jüngsten Preissenkungen auf dem eBook Reader Markt ist das ein recht hoher Preis für wenig Funktionalität. Der Amazon Kindle mit UMTS-Modul, drahtlosem Shopzugang und weiteren Specials (hier geht’s zum zweiteiligen Kindle-Erfahrungsbericht) kostet mittlerweile nur noch 189 US-Dollar, der Barnes&Noble Nook mit zwei übereinander angeordneten Bildschirmen (kleines LC-, größeres eInk-Display) 199 US-Dollar. Zudem steht der aktuell nur in den USA erhältliche Nook auch als WLAN-only-Version für unter 149 US-Dollar zur Verfügung.

Gerade für den englischsprachigen Raum bieten der Barnes&Noble eBook Reader Nook und der Kindle viel digitalen Content an, sowie einen drahtlosen Shopzugang für den einfachen eBook-Download. Und das alles für den kleinen Geldbeutel. Die große Konkurrenz dürfte Interead jetzt zum Verhängnis geworden sein. Nach Foxit hat es mit Interead schon den zweiten Distributor getroffen. Zuvor war bereits die Philipps-Tochter iRex, die hochwertige Business-eReader produzierte, in Insolvenz gegangen (wir berichteten).

Im Weihnachtsgeschäft hatte Neil Jones, der Gründer von Interead, noch erklärt, dass die Firma bereits Gewinn mache. Nun plauderte eine namentlich nicht bekannte Quelle aus dem Umfeld von Interead im Guardian das Problem von Interead aus: “Wir haben, monatlich gesehen, Gewinn gemacht. (…) Wir hatten auch die Bestellungen, aber wir hatten keine Bank, die uns das vorfinanziert hätte.”

Das lange Warten auf den Plastic Logic proReader Que (Foto: Plastic Logic)

Wo ist Que?
Auch der nach eigenen Angaben größte Online-eBook Store der Welt (weil über 1 Million Google Books Bücher im Sortiment sind), coolerbooks.com, konnte Interead bislang nicht retten. Der Shop läuft ohnehin auf eine andere Firma, auf Interead.com, mit Sitz auf den britischen Virgin Islands, wie der Guardian weiter berichtet. So bleibt die eBook-Plattform (vorerst) weiter online.

Den höherpreisigen iRex-eLesegeräten wurde wohl unter anderem das iPad (hier geht’s zum iPad-Erfahrungsbericht) zum Verhängnis. Auch das amerikanisch-britische Start-Up Plastic Logic mit Produktionsstätte in Dresden musste zuletzt den Verkaufsstart des Business-eReaders Que zum zweiten Mal verschieben, besser gesagt auf unbestimmte Zeit aussetzen. Aber auf Anfrage von ebookreader-vergleich.de versicherte Plastic Logic Pressesprecherin Rachel Lichten, es gebe weder bei der Finanzierung noch bei der Produktion des Que Probleme. Man wolle eben alles richtig gemacht haben, bevor der Que auf den Markt komme.

Das heißt, dass neben zahlreichen Verlagspartnern aus der Buch-, Zeitungs- und Zeitschrfiftenbranche für hochwertige Inhalte auch ein Mobilfunkanbieter mit an Bord ist. So könnten vor allem Geschäftsleute den Que als Arbeitsplatz nutzen, der ausgestattet mit einer großen Dateikompatibilität, Textverarbeitungsfunktionen und der täglichen Zeitung zum Business-Begleiter werden soll. Dass der Que zunächst nur in den USA erhältlich sein wird, erklärt Lichten mit den Vorteile des US-Marktes: “Der US-Markt ist einerseits sehr groß, andererseits sehr homogen.”

Macht das iPad den eLesemarkt neuerungsresistent? (Foto: Apple)

Apple, Amazon und Barnes&Noble: Setzen sich die Platzhirsche durch?
Der europäische Markt biete hingegen keine besonders guten Voraussetzungen für das Start-Up-Unternehmen: “Europa ist zwar spannend, aber wir sind kein Riesenunternehmen”, verweist Lichten auf die beschränkten Kapazitäten von Plastic Logic. So wird über eine Markteinführung in Europa wohl erst dann nachgedacht werden, wenn der Que-Verkauf in den USA erfolgreich angelaufen ist. Dass das nicht nach der langen Wartezeit nicht einfach wird, ist kein Geheimnis.

Auch Frau Lichten weiß, dass sich der eBook Reader Markt seit der ersten Ankündigung des Que im Jahr 2008 “weiter entwickelt und verändert” hat. Was damals noch bahnbrechend war, klingt heute zum Teil veraltet. Und gerade auf dem amerikanischen Markt buhlen mit Amazon, Barnes&Noble und Apple schon drei echte Schwergewichte mit aller Kraft und technischem Know-How um die Gunst der eLese-Kunden. Dass die neuerliche Verschiebung des Marktstartes des Que etwas mit dem Preisrutsch beim Kindle und Nook oder dem iPad-Boom zu tun habe, verneinte Lichten jedoch. Die ersten beiden seien nicht auf die Zielgruppe ‘Business-Kunden’ ausgelegt, das iPad sei als Tablet ohnehin etwas anderes, lautet die Begründung.

Das sieht Forrester-Analyst James McQuivey in der FAZ anders. Demnach habe der Que nach dem Start des iPad kaum noch eine Chance, ein Publikum zu finden, zumal wenn Plastic Logic an seinen ursprünglichen Preisvorstellungen von mindestens 649 US-Dollar festhalten würde. Zuvor hatte William Lynch, der Vorstandschef des Nook-Herstellers Barnes&Noble erklärt, dass seiner Meinung nach im Markt für spezialisierte Lesegeräte bald eine Bereinigung beginne – und mittel- bis langfristig höchstens zwei oder drei Anbieter übrig bleiben werden. Also doch kein Platz für Plastic Logic und den Que?

Der erste Dual Screen eReader, der Entourage eDGe (Foto: Entourage)

Es geht auch anders…
Diese Einschätzung teile ich eher nicht. Zwar wird es in Zukunft wohl weniger Start-Ups geben, die ein bereits vorgefertigtes eLesegerät lediglich mit einer eigenen Software und unter einem eigenen Namen veröffentlichen. Aber möglicherweise wachen in Kürze die schlafenden Riesen, die deutschen Verlage auf, und vertreiben selbst – unter eigenem Namen und mit dem passenden Content – eLesegeräte.

Auch der Bedarf an unterschiedlichen eLesegeräten je nach Anwendungsgebiet wird bestehen bleiben – großzollige eReader für Zeitungen und Magazine, besonders kleine und handliche eBook Reader für die Hosentasche und auf Reisen, eReader mit Farbdisplay für multimediale Anwendungen oder mit leserfreundlicher eInk-Technik, Dual Screen-Lösungen zum Surfen, für die Arbeit und das Studium, Displays mit Handschifterkennung zur Nutzung als Schreibblock – die Auswahl wird groß bleiben.

Forrester-Analyst McQuivey zufolge steht bislang nur eines sicher fest: Die Preise werden weiter fallen, bis zum Jahresende auf unter 99 US-Dollar. Pearl kündigte mit dem eLyricon unlängst den ersten eBook Reader für unter 100€ an, dafür allerdings mit selbstleuchtendem Farbdisplay (wir berichteten). Und bis zum Weihnachtgeschäft sind weitere eBook Reader angekündigt (Pocketbook, Medion). Dass sich die Neuen allesamt am unteren Ende der Preisspirale aufhalten werden, ist nicht zu erwarten. Die erste eBook Reader Neuheit in diesem Sommer, der Entourage eDGe, tut dies jedenfalls nicht. Ebookreaderstore.de hat den Dual-Screen-eReader in sein Sortiment aufgenommen – zum stolzen Preis ab 599€ (in den USA ab 499 US-Dollar).

Der Entourage eDGE kann auch Videos abspielen (Foto: Entourage)

1,3 Kilo und zwei Bildschirme: Sieht so die eLese-Zukunft aus?
Ein klassischer eBook Reader ist der Entourage eDGE nicht – obwohl er über ein WACOM eInk-Display inkl. Handschrifterkennung verfügt. Auf der anderen Seite liegt ein LCD-Touch-Panel. Beide Bildschirme sind knapp 10 Zoll groß und miteinander verknüpft, so dass sich Bilder, Notizen, Grafiken und eBooks einfach verschieben lassen. Im Vergleich zum iPad schneidet der eDGe vor allem auf der Hardwarseite gut ab: Mit einer 3 Megapixel Webkamera, zwei USB-Anschlüssen (+ 1x MicroUSB) und einem SD-Kartenslot zur Erweiterung des internen Speicherplatzes (4 GByte) bietet das Dual Screen genau das, was das iPad nicht hat.

Dafür fehlt ein UMTS-Modul, nur via WLAN kann gesurft, Social Networking betrieben oder die eMails gecheckt und bearbeitet werden. Dank verschiedener Software-Updates sollen zudem einige anfängliche Usability-Schwächen (bessere virtuelle Tastatur) ausgeräumt und fehlenden Features (Flash-Support u.a.) nachgerüstet worden sein. Der eDGe läuft mit Google Android 1.6, ein Zugang auf den Android Marketplace ist nicht möglich. Dafür steht ein eigener App-Store zur Verfügung.

Problematisch für den überall-Gebrauch bleibt aber das Gewicht des Entourage eDGe. Auf der Software-Seite ist beinahe alles vorhanden, um mit ihm den Arbeits- und Studienalltag zu revolutionieren. Doch mit 1,3 Kilo kommt der eDGe fast doppelt so schwer wie das ohnehin nicht gerade leichte iPad (knapp 700g) und in der selben Gewichtsklasse wie Netbooks daher – eindeutig zu viel. Und auch der Akku hinkt im Vergleich zu klassischen eLesegeräten hinterher: Nach rund fünf Stunden Dual Screen Modus muss das Gerät wieder aufgeladen werden; betreibt man nur das eInk-Display sind rund 16 Stunden drin – deutlich weniger als dedizierte eBook Reader.

Dennoch könnte der eDGe mit seinem (bislang) einzigartigen eReader in Buchform eine neue Geräteklasse, die Dual Screen eReader, begründen. Sollte der Trend anhalten, könnte – bevor der Markt sich langsam beginnt zu reinigen – zumindest eine weitere eLese-Nische zwischen eBook Reader, Tablet, Smartphone und Netbook entstehen.


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