
Amazon senkt den Preis für den Kindle (Foto: Amazon)
Es bewegt sich was auf dem eBook Reader Markt – beim Preis. Nachdem Barnes&Noble ihren Dual Screen eBook Reader Nook mit WLAN und 3G-Schnittstelle auf 199 US-Dollar gesenkt hat und einen Nook Lite “nur” mit WLAN für 149 US-Dollar anbietet, dreht nun auch Amazon an der Preisschraube. Der noch-Topseller aus den USA, der Kindle, kostet von nun an 189 US-Dollar. Wer bietet mehr zum kleinen Preis? Ein Vergleich zwischen dem Barnes&Noble Nook und dem Amazon Kindle
Der Nook, unter dessem 6 Zoll eInk-Display ein 3,5 Zoll großes LCD-Panel zur Steuerung des Dual Screen eBook Readers liegt, aber dennoch in den äußeren Maßen kleiner ist als der Kindle, wird noch schlanker. Der Nook Lite verfügt ausschließlich über eine WLAN-Schnittstelle, kostet dafür aber auch nur 149 US-Dollar. Auch der “große” Nook wird im Preis gesenkt, 199 US-Dollar müssen Kunden von nun an hinlegen, um den Barnes&Noble eBook Reader mit WLAN und 3G-UMTS-Schnittstelle zu ergattern.

Dual-Screen bringt Farbe auf den Nook (Foto: nook.com)
Nook für $199, Nook Lite (WLAN only) für 149$: Und in Deutschland?
Da der Nook aktuell nicht in Deutschland angeboten wird, bleibt der hiesiege Markt auf den ersten Blick unberührt von der Barnes&Nobel eBook Reader Preissenkung. Bislang ist der Nook lediglich in 800 Barnes&Noble-Buchhandlungen in den USA, auf Nook.com sowie bei der Elektronikkette BestBuy erhältlich. Wer online die neuen Angebote kaufen will, benötigt eine US-Postadresse, die man sich über einen der unzähligen Mailforward-Dienste holen kann.
Zwar ist der Nook vollständig Adobe-DRM-kompatibel, kann also nahezu alle eBooks aus deutschen eBook Shops anzeigen, dafür bleiben die altebekannten Problemen beim UMTS sowie die umständliche Handhabbarkeit der Garantie für in den USA gekaufte elektronische Geräte. Insgesamt ist es aber zu begrüßen, dass der Nook Lite als erster WLAN-eReader für unter 200€ zu haben ist. Bislang gab es WLAN-Geräte erst ab knapp 300€ (Pocketbook 302, Onyx Boox 60).

Löst der Barnes&Noble Nook bald Amazons Kindle als Topseller ab? (Foto: nook.com)
Ohnehin hatte das taiwanesische Marktforschungsunternehmen DigiTimes Research zuletzt ermittelt, dass der Nook aktuell stark nachgefragt wird. Demnach seien im April und Mai 2010 weltweit von Herstellern an Markeninhaber 740.000 eBook Reader verkauft worden. Der Nook war hierbei mit 37% vertreten, Amazon kam mit dem Kindle nur auf 16%. Im ersten Quartal 2010 kauften insgesamt 1.43 Millionen Kunden einen eBook Reader.
Amazon legt nach – Kindle für $189: Jetzt einen Kauf wert?
Die sinkenden Prozentzahlen für den Amazon Kindle hängen DigiTimes Research zufolge vor allem daran, dass Amazon die Lagerbestände des Kindle 2 heruntergefahren hat. Schließlich werde Amazon voraussichtlich im August mit einem neuen eLese-Device auf den Markt kommen und wolle für den Kindle Slim genug Lagerplatz haben. Der Kindle Slim wird wohl leichter und handlicher sein als der Kindle, mit einem besseren Schriftrandering ausgestattet sein und schneller neue Seiten laden.
Um im Preiskampf mit Barnes&Noble nicht hinten anzustehen, hat nun auch Amazon den Preis für den (noch)-Topseller gesenkt. Statt 259 US-Dollar kostet der Amazon eBook Reader ab sofort nur noch 189 US-Dollar bei Amazon.com. Über sieben Monate war der Kindle im Preis stabil gehalten worden, umgehend nachdem Barnes&Noble den Nook billiger gemacht, hat der Internetriese zurückgeschlagen und den Nook-Preis noch einmal unterboten.
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Das heißt auch für potentielle Käufer aus Deutschland eine Preisersparnis. Nachdem der sinkende Euro den eBook Reader-Kauf in Übersee allgemein und speziell den des Kindle zuletzt “verteuert” hatte, zahlt man dank der Preissenkung für den Kindle inkl. Versand aktuell nur noch knapp 209€. Bislang schlug der Kindle-Kauf mit fast 300€ zu Buche.
Nook und Kindle im Vergleich I.: Amazon eBook Reader Nachteile
Wer sich jetzt überlegt, einen Kindle oder einen Nook zu kaufen, sollte folgendes Bedenken: Zwar ist der Kindle mit seinen technischen Features in Deutschland (noch) unerreicht, doch perfekt für den hiesigen Gebrauch ist er nicht. Mit der 3G-Schnittstelle kann zwar drahtlos und kostenfrei auf den Amazon eBook Store zugegriffen werden, aber der Download eines kostenpflichtigen eBooks ist in Deutschland mit einer Roaming-Gebühr (2,30 US-Dollar) belegt.

Das Kindle Firmware-Update 2.5.
Von den 430.000 eBooks im Amazon eBook Store sind ohnehin nur die wenigsten in deutscher Sprache. Unter den komplett kostenlosen eBooks, deren Download seit kurzem mit keiner Roaming-Gebühr mehr belegt werden, finden sich gar keine deutschsprachigen Bücher. Zudem besteht beim Kindle weiterhin das ePub- und Adobe-DRM-Problem. So sind aktuell keine ePub-Dateien auf dem Kindle lesbar, wodurch die Auswahl beim deutschsprachigen eLesestoff noch kleiner ausfällt.
Seit dem Firmware-Update 2.3. sind immerhin pdf-Dateien anzeigbar, mit dem Kindle Update 2.5. kommt noch ein pdf-Zoom hinzu, um eine komfortable Anzeige von pdf-Dateien zu ermöglichen. Damit ist mittlerweile der Download von eBooks aus eBook Shops, die pdf-Dateien anbieten, möglich (BeameBooks.de, Buecher.de, Buch.de, Libreka.de u.a.) – wenn sie nicht Adobe DRM-geschützt sind. Zudem stehen mit dem neuen Kindle-Update erste Web2.0-Funktionen bereit.
Nook und Kindle im Vergleich II.: Barnes&Noble eBook Reader multifunktional und -kompatibel
Und der Nook? Tester schätzen die Menüsteuerung über den farbigen LCD-Bildschirm, auch wenn die Langsamkeit des eInk-Display ein Problem darstellt. Aber das ist beim Kindle nicht viel anders. Was anders ist: der Nook kommt gut mit Adobes DRM aus, so dass eine Fülle von eBooks nicht nur aus dem Barnes&Noble eBook Shop gelesen werden kann. Via WLAN-Modul können die User auch hierzulande mit dem Nook ins Internet gehen. So gibt es für den auf Android basierenden Dual Screen eBook Reader einen Browser und einen Applauncher zum Download.
Natürlich versteht sich der Nook auch mit pdf-Dateien, Schreiben ist auf dem Barnes&Noble eBook Reader über eine virtuelle Tastatur möglich, die bei Bedarf auf dem LCD-Touchscreen angezeigt wird – beim Nook ist also viel geboten für wenig Geld.

Apple's iBook Store läuft gut an (Foto: Apple)
So könnte Apple, der dritte Riese im Bunde, nach den Preissenkungen von Amazon und Barnes&Noble die Freude über die guten eBook-Verkaufszahlen nach der iPad-Einführung bald im Halse stecken bleiben. Dabei wird der deutsche Markt mit Sicherheit keine große Rolle spielen. Zu groß sind die eLese-Einschränkungen auf dem Kindle und die Barnes&Noble eBook Reader sind offiziell hierzulande gar nicht zu kaufen – obwohl vor allem der Nook Lite “nur” mit WLAN ein Verkaufsschlager werden könnte.
Dennoch bringt der Sommer auch für den hiesigen Markt etwas Neues, sollte auch der vierte Riese im Bunde, First-Mover Sony, tatsächlich einen neuen eBook Reader im Juli weltweit auf den Markt bringt, wie allgemein vermutet wird.
