Wer einen eBook Reader oder das iPad sein Eigen nennt, hat die Qual der Wahl bei der eBook-Suche. Lange gibt es noch nicht alle gedruckten Bücher in digitaler Form, aber Libri.de, Amazon mit dem Kindle-Shop, Apple mit dem iBookstore und in Kürze auch Google geben sich beim Buhlen um den eBook-Leser alle Mühe. Wer bietet was? Auf der Suche nach dem passenden eBook-Angebot im Netz.
Zur Vorstellung des neuen iPhone4 ließ es sich Steve Jobs nicht nehmen, auch etwas über das iPad und den eBook-Markt zu reden. Über 2 Millionen iPads sind bereits über den Ladentisch gegangen – und über 5 Millionen digitale Bücher haben per Download aus dem iBookstore einen Leser gefunden. Damit machten die fünf Großverlage, die seit Tag 1 ihre Bücher im iBookstore anbieten, bereits 22% ihrer Umsätze via iBookstore, berichtete Jobs weiter.
Apple treibt den Markt an
Doch ein wenig überraschend, finde ich. Erstens weil die eBooks aus dem iBookstore ausschließlich auf dem iPad gelesen werden können (ab 21. Juni ist auch für iPhone3/3GS/4-Besitzer der Zugriff auf das Leseapp und den iBookstore möglich, das automatisch mit der iPad-Bibliothek synchronisiert wird), zum anderen weil die Konkurrenz nicht schläft. Amazon und Barnes&Noble haben zur iPad-Markteinführung ein eigenes eBook-Apps zur Verfügung gestellt. Die lassen die Kunden scheinbar links liegen, möglicherweise weil auch sie Nachteile haben.
So setzt Marktführer Amazon auf ein proprietäres eBook-Format, so dass sich ein gekauftes eBooks erst nach einer umständlichen Konvertierung auf jedem eBook Reader anzeigen lässt. Der Kunde ist zum eLesen von eBooks aus dem Amazon Store auf den Kindle oder die Kindle-Software (die es dafür für nahezu alle Endgeräten gibt) festgelegt. Umständlich. Die Kompatibilitätslücke will sich wiederum Google zu Nutze machen und ab Sommer eBooks bei Google Editions anbieten, die auf sämtlichen Systemen und eLesegeräten laufen. Mal sehen, welches Datei-Format Google für die eBooks wählt.
Auch Apple arbeitet an der Format-Kompatibilität des iBook Apps weiter. Das erste Update ermöglicht das Lesen von pdf-Dateien sowie diese im iPad-Bücherregal beispielsweise aus einer Mail heraus zu speichern und zu verwalten. Weiterhin sollen sich auch Anmerkungen/Notizen direkt im eBook anlegen lassen, die anschließend via iTunes exportierbar sein sollen. Die Neuerungen lassen hoffen, dass ich zum eLesen bald nicht mehr auf die Systemkompatibilität des eBooks und die Dateikompatibilität des eReaders aufpassen muss.
Deutschland hinkt (noch) hinterher
Schon jetzt sind digitale Bücher auch in Deutschland und trotz der Kompatibilitätseinschränkungen eine gewinnbringenden Alternative zur gedruckten Ausgabe. Libri veröffentlichte vor zwei Monaten eine Statistik, nach der Besitzer eines Sony eBook Readers (PRS 505, PRS 300 Pocket, PRS 600 Touch) im Schnitt alle fünf Wochen ein neues digitales Buch kaufen. Ciando.com setzte im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr eBooks als noch 2008 ab – und auch für das laufende Jahr erwarte man weiteres Wachstum.
Und beim Wissenschaftsverlag Springer sind eBooks schon jetzt zu 20 Prozent am gesamten Buchumsatz beteiligt. Aktuell werden auch vor allem Fach- und Sachbücher gekauft. Nur wenige Bestseller erreichen digital ähnlich hohe Verkaufszahlen wie gedruckt. Für Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass die meisten populären Bücher digital lediglich in englischer Sprache zur Verfügung stehen.
Dennoch stehen deutschen Verbrauchern in den eBook Shops immer mehr digitale Bücher zur Verfügung. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich Bücher, bei denen die Autorenrechte abgelaufen sind, kostenlos online zu holen. Einzigartig in Deutschland: Über den Onleihe.de-Verbund zahlreicher Stadtbibliotheken können Bücher nur auf Zeit geliehen werden.
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Fachbücher als treibende Kraft
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Auch immer mehr Universitäten erkennen den Nutzen von eBooks, digitalisieren nach und nach ihr Angebot oder bieten eBooks on-demand an. Ohnehin glaube ich, dass sich die Zukunft des Buches bei den Fachbüchern entscheidet. Libri.de schreitet hier beispielhaft voran und erweiterte gestern sein Fachbuch-Angebot um 10.000 eBooks, in den Bereichen Medizin und Pharmazie, Recht, Naturwissenschaften, Informatik und EDV, Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften.
Die DRM-geschützten pdf-Dateien sind vornehmlich für die PC-Ansicht geeignet, wie Per Dalheimer, Libri.de-Geschäftsführer, im Gespräch mit Buchmarkt.de erklärt. “In Abgrenzung zum ePub definieren wir das pdf-Format insbesondere als ‘Fachbuchformat für den PC’ während wir ePub insbesondere als ‘Format für mobile Endgeräte’ wie etwa den Sony eBook Reader definieren.” Besonders vorteilhaft seien pdf-Dateien bei der Darstellung von komplexen Zeichnungen. Insgesamt stehen auf Libri.de nun 155.000 eBooks zur Verfügung, davon rund 35.000 ePub-Dateien.
Daran sieht man schließlich doch, dass sich der eBook-Markt mit all seinen Start-Ups und den renommierten Anbietern erst noch finden muss, bevor sich ein eBook-Standard durchsetzen wird. Den eReader- und Tablet-Sellern (Amazon mit dem Kindle und Apple mit dem iPad) stünde ein bisschen mehr Offenheit gut zu Gesicht.
Quellen: Macnews.de, Intern.de, Buchmarkt.de



