Im Juni startet eine weitere Zeitung ihr Online-Paid-Content-Modell: Die britische Times und ihr Spin-Off, die Sunday Times, sind ab Juni nicht mehr kostenfrei im Internet abrufbar. Im Mai wird ein Relaunch stattfinden, der die Online-Angebot der beiden Murdoch-Zeitungen trennt. Nur nach einer vorhergegangenen Registrierung inkl. dem Öffnen des Geldbeutels ist dann der Zugriff noch möglich. Im Laufe des Jahres sollen auch der Content der “Sun” und von “News of the World”, ebenfalls im Besitz von Murdoch, kostenpflichtig werden. Auf ein Abo-Modell, wie es die Print-Ausgabe bietet, wird Murdoch für die Times Online aber verzichten.
Einer Pressemitteilung von News International Corp. zufolge bekommen Abonennten der Times den Online-Zugriff kostenlos. Ab Juni soll ein Tag die Times Online lesen 1 Pfund kosten, eine ganze Woche 2 Pfund. Für europäische Leser wird ein Tagesabo 1,50 €, ein Wochenabo 3 € kosten. Das dieses Modell Zukunft hat, auch wenn andere Nachrichtenseiten weiterhin ihren Content kostenlos anbieten, davon sind die Macher der Times überzeugt. Das Abo beinhaltet auch das ePaper-Angebot sowie neue Apps, die aktuell entwickelt werden.
Rebekah Brooks, die Chefin von News International, erklärte in der heutigen Times zur Umstellung auf Paid Content: “Dies ist ein richtiger Schritt in die Richtung, das Nachrichtengeschäft zu einem ökonomisch-profitablen Feld zu machen. Wir sind stolz auf unseren Journalismus und glauben an seinen Wert.”
Times-Redakteur James Harding erklärte ebenfalls in der heutigen Ausgabe: “Paid Content ist der einzige Weg, ökonomisch tragfähig Online Journalismus zu bieten.” Ein bisschen klingt das alles nach Selbstsuggestion, um den Wert der eigenen Arbeit hoch zu halten, doch es könnte auch ein zukunftsweisender Plan sein, den Rupert Murdoch verfolgt.
Die Times ist eine der ersten Zeitungen, die ein Paid Conetnt Modell einführen wird. Auch die New York Times hatte im Januar angekündigt, ihren Online-Auftritt kostenpflichtig umgestalten zu wollen – für alle die mehr als nur ein paar Artikel lesen wollen. Die “Financial Times” setzt auf ein ähnliches Paid Content Modell: Wer sich registriert kann zehn Artikel pro Monat kostebnlos lesen. Nur für das “Wall Street Journal” gibt es ausschließlich einen kostenpflichtigen Zugang.
Die Hoffnung der Zeitungsverlage gegen die kostenlos-Mentalität im Internet anzukommen, hat ein Vorbild: Die Musikindustrie. Vor einigen Jahren waren die Umsätze der Musikproduzenten und -künstler wegen kostenloser Downloads rapide eingesunken. Paid-Content-Modelle haben den Umsatzrückgang gebremst. Kann Paid Content den Online-Jornalismus aufwerten oder steigt der User doch nur auf kostenlose Nachrichtenseiten um?
Quellen: News Corp., Times Online, Golem
